Was sich Verbraucher auf Lebensmitteletiketten wünschen, was jetzt nicht mitgeteilt wird

Jim Evans
Agricultural Documentation Center [Landwirtschaftliches Dokumentationszentrum]
University of Illinois

Ein Forschungsteam an der Universität von Milan, Italien, berichtete über ein ungewöhnliches zweiteiliges Verbraucher-Forschungsprojektmit Bezug auf Information auf Lebensmitteletiketten. Ein Teil untersuchte auf welche Etiketteninformation das Hauptaugenmerk gerichtet ist (z.B. Vitamine, Energie und Fett).

Der zweite Teil untersuchte das Interesse an Informationen, die gegenwärtig auf dem Etiketten nicht zu finden sind. Auf einer Likert-Skala (7 Höchstwert; 1 Tiefstwert) drückten Verbraucher ihre größtes Interesse an Information über das Wohlergehen von Tieren aus (6.0) und der Art der Fortpflanzung (Zucht) (5.5). Danach kamen:
Lebensmitteltransportstrecken (5.3)
Verpackungsmaterial (5.1)
Lebensmittelkunde (4.3)
Kohlendioxydanfall bei Erzeuung (4.0)
Wasserersparnis bei Produktion (3.5)

Sie können diesen Artikel im International Journal of Food Systems Dynamics lesen bei: http://centmapress.ilb.uni-bonn.de/ojs/index.php/fsd/article/view/275/259

Wer teilt die wahre Geschichte mit?

Arno de Snoo
Niederlande

Riitta Mustonen, IFAJ-Generalsekretärin, steuerte der April-Ausgabe der IFAJ-Nachrichten den Artikel bei “Wer schreibt die Berichte?” In ihrem Artikel schrieb sie über Diskussionen in Finnland und fragte wessen Pflicht es sei, den Verbrauchern über die modern Landwirtschaft zu berichten.

In Erwiderung auf Riittas Spalte schreibt uns Arno de Snoo aus den Niederlanden wie folgt:

In den Niederlanden haben wir eine starke Opposition gegen Landwirtschaft und besonders gegen intensive Landwirtschaft. Dennoch haben wir die einzige politische Partei der Welt, die die Verbesserung der Viehhaltung zu ihrem Hauptanliegen gemacht hat.

Es ist tatsächlich Tatsache, dass fast alle negativen Nebenwirkungen der modernen Landwirtschaft von nicht-landwirtschaftlichen Organisationen ans Licht befördert werden. Und von Leuten, die nicht Landwirtschaftsjournalisten sind! Ich glaube ganz bestimmt, dass Landwirtschaftsjournalisten oft so mit den gewöhnlichen täglichen Arbeitsabläufen vertraut sind und das beispielsweise angenommen wird, dass die Lebenserwartung einer Milchkuh nur einige Jahre beträgt. Manche werden das bezweifeln, aber wir sind bei weitem nicht rücksichtslos genug.

Interessanterweise, glaube ich, meinen viele Landwirte, dass die gegenwärtig üblichen  Vorgehensweisen große Nachteile haben. Und sie erkennen sie auch. Warum sind wir also so zurückhaltend?

Ich glaube, es hat viel mit Zeit zu tun. Wie Sie (Riitta) in ihrer Spalte ebenfalls erwähnen, gibt es kaum Zeit für untersuchenden Journalismus. Und um einen guten Bericht über diese schwierign und kontroversen Themen zu verfassen, wird Zeit gebraucht.

Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber wenn ich ein Thema besprechen will, dass Landwirte und ihre Vorgehensweisen bei der Landwirtschaft beeinflussen kann, dann möchte ich ganz sicher sein, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe.

Aber die Sache hat noch eine andere Seite. Die Tierwohlfahrtsfront hat sehr festgefügte Ansichten und wird alles in ihrer Kraft Stehende einsetzen, um ihre Ziel zu erreichen. Das schließt das Verdrehen von Information ein, die ihnen nutzen kann. Ich glaube, es ist auch unsere Aufgabe, deren Beweise der Prüfung zu unterziehen, Jeder gute Landwirt wird mit Abscheu auf Bilder blicken, die Tiere im Schmerz zeigen. Exzesse werden wohl immer zu finden sein, aber die Mehrheit der Landwirte sorgen gut für Land und Tiere. Objektiv zu sein, ist der Schlüssel. Und Zeit zu haben, objektiv zu sein.


IFAJ Nachrichten Mai 2013

IFAJ und Nachhaltigkeit

James Campbell

Während meiner 30 Jahre als Landwirtschaftsjournalist habe ich miterlebt, wie sich die Akzente auf verschiedene Weise verschoben haben. Ein Beispiel ist die zunehmende Erkenntnis der Wichtigkeit von Biodiversität. Landwirten wird nahegelegt, mit Methoden zu produzieren, die die naürliche Umwelt erhalten. Wir sahen viele Beispiele dafür  letztes Jahr anläßlich unseres IFAJ-Kongresses in Schweden.

Mit den Veränderungen gewinnen bestimmte Worte eine neue Prominenz im Vokubular landwirtschaftlicher Journalisten. Beispiele sind “Nachhaltigkeit” und “Ökosystemdienste.” Nachhaltigkeit war einer der Aspekte der Arbeit von British American Tobacco (BAT) auf das die Aufmerksamkeit des IFAJ Sponsorenschaftskomitees gerichtet wurde, als wir durch unsere Kollegen aus Argentinien mit BAT bekannt gemacht wurden.

BAT bezieht seine Lieferungen von rund 200,000 direkt verpflichteten Landwirten. Sie haben eine langjährige Erfahrung im Bereitstellen von wissenschaftlichen und sachdienlichen Informationen an die Tabakanbauer. Ein Teil dieser Arbeit verläuft in Verbindung mit Landschutzorganisationen wie “Earthwatch” und “Fauna and Flora International.” Alle Arten der Landwirtschaft können die Biodiversität beeinflussen. Es war mir neu, dass andere Arten der Landwirtschaft von BAT lernen können, wenn es um Nachhaltigkeit und Ökosystemdienste geht. Sie können mehr darüber erfahren, wie BAT sich der Biodiversität und dem Naturschutz verpflichtet fühlen: www.bat.com/leaf oder www.bat.com/thedebate.

Die Nachhaltigkeit der “Outreach”- Bemühungen [Kontakaufnahme mit, Info-Abgabe usw. an Ineressierte] und die zunehmenden Gelegenheiten, die wir Landwirtschaftsjournalisten in den letzten Jahren zugängig gemacht haben, sind von der Unterstützung  von Sponsoren abhängig. Wenn Sie IFAJ einen potentiellen Sponsor vorschlagen möchten, bitte ich Sie mit einem Mitglied des Präsidiums oder dem stellvertretenden Vorsitzenden des Finanz- u. Sponsorenschaftskomitees, Steve Werbow, Kontakt aufzunehmen. Wir sind sehr daran interessiert, von irgendwelchen Gildenrepräsentanten zu hören, die uns dabei helfen könnten. Sie können uns unter E-mail erreichen: secretary(at)ifaj.org oder indem Sie den direkten Kontakt auf der Webseite nutzen: www.ifaj.com.

Melden Sie sich für der IFAJ-Kongress 2013 in Argentinien an

Melden Sie sich jetzt an, an einer einzigartigen Gelegenheit teilzunehmen, Fuß auf argentinisches Land zu setzen, Produzenten , Landbesitzer, Geschäftsleute und andere Landwirtschaftsjournalisten zu treffen und dieses landwirtschaftlich führende Land kennenzulernen, das einmal als “Weltkornkammer” bezeichnet wurde.

Der diesjährige IFAJ-Kongress wird vom 1. bis 5. September in Argentinien stattfinden.

Dieses Jahr wird IFAJ einen Kongress wie keinen anderen abhalten … eine einzigartige Gelegenheit, an eine entfernte Ecke der Welt zu reisen. Eine reiche Kultur in einem Land zu entdecken, das sich bis an einen der südlichsten Punkte der Erde erstreckt.

Argentinien hat seine Produktion in den letzten 30 Jahre verdreifacht und ernährt jährlich mehr als 400 Millionen Menschen. Seine Wirtschaft wird von fortgeschrittenen Technologien und nachhaltigen landwirtschaftlichen Methoden angetrieben. Es ist der Weltmarktführer beim Export von Soyaöl und –mehl, der zweitgrößte Expoteur von Mais und Sorghum,weltweit der fünftgrößte Produzent von Wein, der zehntgrößte von Milch und der viergrößte Exporteur von Rindfleisch.
Der IFAJKongress 2013 in Argentinien bietet Ihnen die Chance, vier Nächte in Argentinien zu verbringen, sich der Kultur und des Landes zu erfreuen, während Sie das im Leben einmalige Abenteuer erleben, landwirtschaftliche Betriebe und Industrieansiedlungen zu besuchen, wo alles passiert. Verpassen Sie diese Chance nicht. Mehr Information unter: www.ifajargentina.com.

Canadian Farm Writers Federation plant Konferenz

Die Canadian Farm Writers Federation (CFWF) plant die Konferenz “Big Agriculture in a Small Setting” [Große Landwirtschaft in kleinem Rahmen] für kommenden Herbst. Die Konferenz wird vom 3. bis 6. Oktober 2013 in dem weltbekannten Harrison Hot Springs Resort stattfinden.

Das Frazer Valley [Tal] ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Kanadas. Diese kompakte Region ist bekannt für die höchste Blaubeerproduktion in Nordamerika, Kanadas größte Milchfarm und als  führendes Hühnerzuchtgebiet. Das Tal führt das Land sowohl in Bevölkerungsdichte als auch durch seine Adoption von Biosicherheit. Die Circle Farm Tours machen diese Gegend zu einer führenden im Direkt-Farm-Marketing und Agri-Tourismus.

Die Bustouren machen Teilnehmer mit der Landwirtschaft in und um Chilliwack, Abbotsford und Agassiz vertraut. Die erste CFWF Cycle Farm Tour führt zu landwirtschaftlichen Berieben, Nahrungsmittelverarbeitern und Forschungsstätten in der Agassiz-Harrison Gegend. Teilnehmer können etwas früher für die Donnerstags-Vor[konferenz]touren eintreffen: “Up the Creek”, eine Bootfahrt den Frazer-Fluss hinauf, oder “Round the Mountain”, eine Bustour zu den Ranch-Ländereien des Nicola-Tals.

Weitere Informationen kommen in Kürze. Beachten Sie die Facebook-Seite für die neusten Nachrichten.

Die Anmeldung beginnt am 15. Mai 2013. Fragen? Dann wenden Sie sich an Tamara Leigh: tamara(at)shinybird.ca oder 778-232-4036.

Schweizer Landwirte zwischen politische Stabilität und Marktdruck

Adrian Krebs
Schweiz

Der IFAJ-Kollege Adrian Krebs aus der Schweiz bietet Einzelheiten über Agrarwirtschaftsbelange, die sein Land plagen:

Die Schweizer Landwirtschaft ist einer der am meisten subventionierten Primärsektoren der Welt. Nur Norwegen und Japan schlagen uns traditionsgemäß in den entsprechenden Rangregistern staatlicher Interventionen.

Diese Tradition ist kürzlich erneut bestätigt worden seitens des Schweizer Parlaments durch Verabschiedung eines neuen “Vier-Jahres-Plans.” Er sichert den Schweizer Landwirten rund 3 Milliarden Schweizer Franken in staatlichen Subventionen für die nächsten Jahre zu.

Die klare Abstimmung für diese neue Zuwendung resultiert aus drei Hauptfaktoren. Erstens existiert eine sehr einflussreiche Lobby des Landwirtschaftssektors. Obwohl sie nicht einmal zwei Prozent der gesamten Bevölkerung ausmachen, sind mehr als zehn Prozent der Parlamentsabgeordneten Landwirte. Diese Politiker sind oft die führenden Kräfte – zweiter Grund – eines eng verknüpften Netzwerks landwirtschaftlicher Organisationen, die jederzeit auf jeder Ebene in ihrem Sinne Einfluss ausüben können – sei es in nationalen oder lokalen Gremien.

Der dritte Stützpfeiler  ist die allgemeine Bürgerschaft, die stark mit der Mehrheit der Landbevölkerung sympathisiert. Die Schweiz war lange eine sehr ländliche Gesellschaft, so dass viele Menschen Familienbeziehungen zu Landwirten hatten oder noch haben.

Die breite Unterstützung für die Landwirte bedeutet aber nicht, dass deren Leben leicht ist. Während das Land mehr und mehr verstädtert, verliert die junge Generation die oben erwähnten Bindungen an die Landwirtschaft.

Klagen über Lebensmittelpreise nehmen zu, obwohl Einzelhandelspreise in den letzten Jahrzehnten fortwährend gesunken sind. Dennoch gibt es einen ganzen Wirtschaftszweig von Importeuren und einen Einzelhandelssektor, die sehr darauf aus sind, in einem der reichsten Länder der Welt einen guten Franken mit der Marge zwischen billigen Einfuhren und hohen Ladenpreisen einzufahren.
Diese Leute verbreiten die Meinung, dass Schweizer Landwirte zu teuer produzieren, ohne dabei zu erwähnen, dass bei letzteren viel höhere Kosten anfallen als bei der Konkurrenz auf der EU Seite der Grenzen (ganz zu schweigen vom Rest der Welt), wo Traktoren, Düngemittel usw. weniger kosten, als in der Schweiz.

Der Marktdruck in einem früher sehr abgeschotteten Sektor nimmt zu – und das ist nicht nur eine schlechte Entwicklung. Die Landwirte merken langsam, dass sie, um zu überleben, aktiver werden müssen, sowohl bei Weiterbearbeitung landwirtschaftlicher Rohprodukte sowie auch bei der Vermarktung, um auf diese Weise durch vertikale Integration einen größeren Teil des Profits mitzunehmen, der sonst Verarbeitern, Groß- und Einzelhändlern zufällt.

Der Druck hilft dabei, Landwirte produktiver und kreativer zu machen, mehr auf Kostenreduzierung bedacht, effizienter und im Endeffekt: konkurrenzfähiger. Das ist entscheidend für eine Zukunft, die noch mehr Druck, mehr Globalisierung usw. bringen wird, aber auch einen Verbraucher, der sich der Notwendigkeit lokaler Produktion mittels nachhaltiger Methoden bewusster ist. Es besteht also kein Zweifel, dass die Schweizer Landwirschaft eine Zukunft hat. Wir “Ag-Vokaten” müssen  halt sehr dafür einsetzen, dass es eine rosige ist.