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Mentoring – von gegenseitigen Erfahrungen persönlich profitieren

Mechthilde Becker-Weigel.

Als Odysseus in den Trojanischen Krieg zog, bat er seinen Vertrauten Mentor, seinen Sohn Telemachos zu beraten und in die Gesellschaft einzuführen. Bis heute steht der Begriff „Mentoring“ für die Begleitung einer meist jüngeren, weniger erfahrenen Person durch eine erfahrene Mentorin oder einen erfahrenen Mentor. Und auch heute noch kann es in vielen Lebenslagen hilfreich sein, sich durch externe Ratgeber in der eigenen Entwicklung unterstützen zu lassen. Der Mentor gibt dabei Kenntnisse über formelle und informelle Regeln weiter, vermittelt Zugang zu personellen Netzwerken und berät in persönlichen oder beruflichen Angelegenheiten.

Im Journalistenalltag ist es oft schwer genug den Überblick zu bewahren, wenn es wieder einmal hektisch in den Redaktionen, Pressestellen und Kommunikationsabteilungen zugeht. Das Gefühl dabei ist oftmals: die persönliche Entwicklung bleibt auf der Strecke . Ein erfahrender Ratgeber wäre jetzt hilfreich, ein Mentor mit Sachverstand und ausreichendem Abstand.

Mentoring ist in anderen Berufsfeldern bereits eine bewährte und gängige Methode der  beruflichen Förderung. Mentoring-Programme kommen heute in vielen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen zum Einsatz. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat dieses Thema bereits vor einigen Jahren aufgegriffen.

Mentoring für Agrarjournalisten

Die VDAJ-Landesgruppe Bonn bietet ihren Mitgliedern auch ein Mentoring-Programm an. Das Projekt ist 2010 gestartet. Die Mentoring-Teams sollen für ein Jahr als Tandem „zusammengespannt“ werden.

Das Mentoring-Programm richtet sich an Agrarjournalisten in beruflichen Um- und Neuorientierungsphasen. Agrarjournalisten und PR-Experten, die ihren nächsten Karriereschritt planen oder an Existenzgründer. Als Mentees können sich Agrarjournalisten und Agrarjournalistinnen bewerben, die bereits über einige Jahre Berufserfahrung verfügen und konkrete Zukunfts- oder Veränderungspläne haben.

Mentoringziele

– Erfahrungsaustausch, „learning-on-the-job“

– Stärkung des beruflichen Profils

–  Weitergabe von informellem Wissen und Kontakten

– Individuelle Beratung und Feedback

– Individuelle Karriereförderung

– Vertrauensvoller Austausch über Hierarchien hinweg

– Unterstützung beim Netzwerkausbau

Das Kernstück des Mentoring-Programms ist die individuelle Beziehung zwischen Mentee und Mentor. Beide vereinbaren Termine für ihre Gespräche. Anzahl und Dauer der Treffen sind dem Tandem überlassen. Empfohlen wird pro Monat ein etwa zweistündiges Gespräch, um eine kontinuierliche Entwicklung zu ermöglichen. Auch die Gesprächsinhalte bestimmt das Tandem selbst.

Wer sind die Mentoren?

Die Mentoren sind engagierte Kollegen und Kolleginnen im VDAJ, die bereit sind, Erfahrungen weiter zu geben. Die Mentoren sind motiviert, die Kollegen zu begleiten. Sie identifizieren sich mit dem VDAJ-Ziel, Publizisten und Kommunikatoren der Agrarwirtschaft zusammenzuführen und aktiv zu unterstützen. Der Austausch mit erfahrenen Mentoren ermöglicht wertvolle Denkanstöße. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, vom Erfahrungsschatz eines persönlichen Mentors zu profitieren.

Was sind mögliche Inhalte?

Die Themengebiete und Inhalte für ein Mentoring sind so vielfältig und individuell wie die Teilnehmer selbst. Häufige Inhalte der Mentoringbeziehungen sind das Erarbeiten von Karrierezielen und Aufstellen eines persönlichen Entwicklungsplans für den Mentee. Das kann die Arbeit am Stärkenprofil sein oder die Erarbeitung sinnvoller Schritte zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung des Mentees. Beispiele sind Akquise von Aufträgen, Gestaltung von Interviews, Umgang mit Menschen oder Bewerbungen auf bestimmte Positionen.

Oder Mentee und Mentor besprechen anstehende Entscheidungen, die der Mentee treffen muss und erwägen Vor- und Nachteile, Gründe und Konsequenzen.

In der Regel besprechen Mentor und Mentee aktuelle Projekte des Mentees und diskutieren Themen, die sich daraus ergeben. Der Mentee erhält Feedback auf sein Verhalten in beruflichen Situationen.

Wie ist Ablauf beim Mentoring-Prozess?

Mentoring ist ein unstrukturierter offener Beratungsprozess. Es gibt wenige Vorgaben, wie er verlaufen sollte und welche Themen besprochen werden. Diese ergeben sich aus den aktuellen persönlichen Themen und spezifischen Fragestellungen der Mentees. Der Erfolg der Beratung hängt stark davon ab, ob die Mentees aktiv und zielstrebig die Beratung und Unterstützung des Mentors in Anspruch nehmen und nicht darauf warten, dass ihnen gesagt wird, “wie man es macht”.

Der Mentoring-Prozess wird aktiv vom Mentee mitgestaltet. Die Mentoring-Tandems treffen sich zu regelmäßigen Vier-Augen-Gesprächen, die mindestens einmal im Monat für etwa zwei Stunden stattfinden sollten. Diese Gespräche organisieren die einzelnen Tandems auf eigene Initiative. Sie legen selbständig die Themen und Lernziele für ihre Gespräche fest.

Die Themen ergeben sich aus der beruflichen und persönlichen Situation der Mentees sowie der Erfahrung und Beratungskompetenz der Mentoren. Ein Lernziel des Mentoring ist es, die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Mentees zu stärken, was nicht nur durch die Inhalte der Gespräche, sondern gerade durch die offene Organisationsform gefördert wird.

Wie finden Mentee und Mentor zusammen?

Die potenziellen Mentees können sich bei der VDAJ-Landesgruppe Bonn bewerben. Sie erhalten dann einen Bewerbungsbogen. Die Bewerber werden zu einem persönlichen Interview eingeladen, um Informationen für das Matching und die Suche nach einem geeigneten Mentor zu sammeln. Im Projekt aufgenommen wird wer konkrete Themen und Ziele für das persönliche Mentoring hat und eine aktive Einstellung zum Mentoring mitbringt.

Die potenziellen Mentoren werden gezielt angesprochen, wenn die Mentees ausgewählt sind. Schließlich soll das Berufsfeld zusammenpassen. Des Weiteren können Faktoren wie zum Beispiel räumliche Nähe, Persönlichkeit oder spezifische Erfahrungen eine entscheidende Rolle spielen. Die Arbeit der Mentoren erfolgt ehrenamtlich.

Begleitende Veranstaltungen

Die Mentees und Mentoren werden durch verschiedene Veranstaltungen unterstützt, damit sie das Mentoring erfolgreich nutzen können. Es findet ein Einführungsworkshop statt als Auftaktveranstaltung. Hier werden Mentoren sowie Mentees auf ihre jeweiligen Rollen und Aufgaben im Mentoring vorbereitet. Die Möglichkeiten und Chancen des Mentoring werden besprochen, hilfreiche Vereinbarungen zwischen Mentee und Mentor dargestellt sowie mögliche Schwierigkeiten im Prozess angesprochen.

Zur Halbzeit findet eine moderierte Zwischenveranstaltung für Mentees und Mentoren statt. Diese Zwischenübersicht dient dem Erfahrungsaustausch über den bisherigen Verlauf des Mentorings und des Ideenaustausches, wie das Mentoring in der verbleibenden Zeit noch genutzt werden kann. Am Ende des Mentoringjahres wird die Abschlussveranstaltung die Gelegenheit bieten, gemeinsam ein Resumee zu ziehen.

Informationen:

Mechthilde Becker-Weigel ist Agrar- und Wirtschaftsjournalistin und hat das Mentoring-Programm für die VDAJ-Landesgruppe Bonn entwickelt. Sie hat eine Ausbildung als systemischer Coach, Trainer und Changemangement Berater und bereits beim ersten Mentoring-Programm des DJV-Landesverbandes NRW Erfahrungen gesammelt.

Kontakt: Mechthilde Becker-Weigel, E-Mail: becker-weigel(at)wdagrar.de

(Dieser Artikel wird durch eine Zusammenarbeit zur beruflichen Weiterbildung der Internationalen Föderation der Agrarjournalisten (IFAJ) und des Dokumentationszentrums für Agrarkommunikation (ACDC) an der Universität von Illinois zur Verfügung gestellt.)